Wie viele fallen bei der verkehrspsychologischen Untersuchung durch? Die ehrliche Antwort zuerst: Für Österreich gibt es keine offizielle Statistik. Die oft zitierten „rund 50 Prozent" stammen von einem Vorbereitungsanbieter, nicht von einer Behörde. Was es gibt, sind belastbare Zahlen aus Deutschland, die Anzeigenzahlen der österreichischen Polizei und das Wissen darüber, woran Antritte tatsächlich scheitern. Daraus lässt sich mehr ablesen als aus jeder runden Quote.
Auf einen Blick
Jede Untersuchungsstelle meldet jede VPU an die Behörde, die Daten existieren also. Veröffentlicht werden sie nicht: Anders als bei Fahrprüfungen, für die das Ministerium jährlich Bestehensquoten je Prüfer erstellt, gibt es für verkehrspsychologische Untersuchungen keine gesetzliche Pflicht zu einer Statistik. Dazu kommt ein zweiter Grund: Die VPU hat gar kein einfaches „bestanden" oder „durchgefallen".
Ein „bedingt geeignet" mit Befristung und Kontrolluntersuchungen ist weder ein Durchfallen noch ein glattes Bestehen. Jede Prozentzahl, die so tut, vereinfacht. Was die einzelnen Ergebnisse bedeuten, steht im Ratgeber VPU-Fragen und Ergebnisse.
Die deutsche medizinisch-psychologische Untersuchung ist der VPU in Aufbau und Anlässen sehr ähnlich: Leistungstests, Gespräch, Alkohol- und Drogenfälle als Hauptgründe. Für sie veröffentlicht die Bundesanstalt für Straßenwesen jedes Jahr die Ergebnisse aller Begutachtungsstellen:
| Jahr | Begutachtungen | geeignet | ungeeignet | nachschulungsfähig |
|---|---|---|---|---|
| 2024 | 75.257 | 56,2 % | 39,4 % | 4,4 % |
| 2023 | 82.261 | 56,6 % | 39,0 % | 4,4 % |
Anlässe 2024: 42,9 % Alkohol, 25,1 % Drogen und Medikamente, 18,9 % Verkehrsauffälligkeiten ohne Substanzen. Quelle: BASt, „Begutachtung der Fahreignung" 2023 und 2024.
Rund vier von zehn Begutachteten werden in Deutschland als ungeeignet eingestuft, und das seit Jahren stabil. Interessanter ist der Blick auf die Anlässe, denn dort gehen die Quoten deutlich auseinander:
| Anlass (2024) | Personen | geeignet | ungeeignet | nachschulungsfähig |
|---|---|---|---|---|
| Alkohol, erstmalig | 22.667 | 53,3 % | 38,3 % | 8,4 % |
| Alkohol, wiederholt | 7.039 | 46,1 % | 47,9 % | 6,0 % |
| Alkohol plus weitere Delikte | 2.536 | 44,2 % | 51,5 % | 4,3 % |
| Drogen, Cannabis, Medikamente | 15.967 | 57,2 % | 38,1 % | 4,7 % |
| Verkehrsauffälligkeiten ohne Substanzen | 12.442 | 58,0 % | 42,0 % | 0,0 % |
Auszug aus Tabelle 1 der BASt-Langfassung 2024. Bei Verkehrsauffälligkeiten ist keine Nachschulung vorgesehen.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Ein einmaliger Alkoholvorfall endet in rund 38 Prozent der Fälle negativ, ein wiederholter in rund 48, Alkohol in Kombination mit weiteren Delikten in über 50. Die Vorgeschichte wiegt schwer. Zweitens: Drogenfälle schneiden mit 38 Prozent nicht schlechter ab als erstmalige Alkoholfälle – entgegen dem Gefühl vieler Betroffener, dass THC im Verfahren automatisch das Aus bedeutet. Das ist die beste verfügbare Näherung für das, was auch in Österreich zu erwarten ist – mit dem Vorbehalt, dass die deutsche MPU in manchen Punkten strenger geregelt ist, etwa bei den geforderten Abstinenzzeiten.
Das Innenministerium veröffentlicht jährlich die Verkehrsüberwachungsbilanz. 2024 standen darin 28.867 Anzeigen wegen Alkohol am Steuer und 8.227 wegen Fahrens unter Drogeneinfluss; 2025 waren es 28.428 und 8.555. Die Alkoholzahlen sinken seit Jahren leicht, die Drogenzahlen pendeln um 8.500 im Jahr. Zur VPU muss davon nur ein Teil: Alkoholfälle ab 1,6 Promille oder bei verweigertem Alkotest, Drogenfälle, Wiederholungstäter und wer sonst vom Amtsarzt dorthin geschickt wird. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schätzte, dass etwa 0,5 Prozent aller Kraftfahrer im Laufe ihres Lenkerlebens eine VPU absolvieren müssen.
„Nur gut die Hälfte besteht" liest man auf Seiten, die Vorbereitung verkaufen – auch wir verkaufen Vorbereitung, deshalb sagen wir es deutlich: Für diese Zahl gibt es keine Quelle. Ebenso wenig für die manchmal genannten „85 bis 95 Prozent mit Vorbereitung". Wer Ihnen eine Quote nennt, sollte sagen können, woher sie stammt.
Wichtiger als der Durchschnitt ist die Frage, wo die Ablehnungen entstehen. Die VPU hat zwei Teile, und sie scheitern aus unterschiedlichen Gründen:
Im Leistungsteil am Computer
Reaktion, Konzentration, Überblick und Belastbarkeit werden mit Testformaten gemessen, die kaum jemand vorher gesehen hat: Bedienpult, Farb- und Tonreize, Fußpedale, steigendes Tempo. Hier verlieren viele Punkte nicht an der Fähigkeit, sondern an der Unsicherheit mit dem Gerät und an Nervosität. Das ist der Teil, der sich am besten trainieren lässt – der Gründer dieser Seite ist selbst genau daran gescheitert und beim zweiten Antritt durchgekommen.
Im Gespräch
Bei Alkohol- und Drogenanlässen ist das Gespräch häufig der entscheidende Teil. Negativ wird es, wenn der Anlass kleingeredet wird („Pech gehabt"), wenn die Angaben dem Akt oder den Abstinenznachweisen widersprechen, oder wenn keine nachvollziehbare Veränderung erkennbar ist. Das lässt sich nicht auswendig lernen, aber vorbereiten: Wer seine Geschichte geordnet und ehrlich erzählen kann, hat die beste Ausgangslage.
Zum Vorbereiten: Die 20 wichtigsten Fragen des Gesprächs mit Hinweisen, was eine gute Antwort ausmacht, gibt es als kostenlosen Fragebogen zum Ausdrucken.
Wenn rund vier von zehn Begutachteten negativ beurteilt werden, heißt das nicht, dass die VPU ein Würfelspiel ist. Es heißt, dass die Untersuchung ernst gemeint ist und dass Unvorbereitete einen erheblichen Teil dieser vier ausmachen. Die VPU ist keine Prüfung, die man „schafft", sondern eine Einschätzung, ob Sie heute sicher fahren können. Was Sie beeinflussen können, ist, mit welcher Ausgangslage Sie hineingehen.
Und wenn es trotzdem negativ ausgeht: Das ist der Moment, in dem Zahlen nicht mehr helfen, sondern nur noch die Frage, woran es lag. Wir werten Ihr Gutachten kostenlos aus und sagen Ihnen in klaren Worten, was beim zweiten Antritt anders laufen muss. Was ein zweiter Antritt kostet und wann eine Beschwerde sinnvoll ist, steht in den Ratgebern VPU-Kosten und VPU nicht bestanden.
Im kostenlosen Erstgespräch sehen wir uns Ihre Ausgangslage an – Anlass, Nachweise, Zeitplan – und sagen ehrlich, was Vorbereitung bei Ihnen bewirken kann und was nicht.
Kostenloses ErstgesprächEs gibt keine offizielle Zahl. Die beste verfügbare Näherung ist die deutsche MPU-Statistik: 2024 wurden dort 39,4 % der Begutachteten als ungeeignet eingestuft. Die in Österreich kursierenden „rund 50 %" stammen von einem Vorbereitungsanbieter ohne Quellenangabe.
Beide prüfen Leistungsfähigkeit und Einstellung mit ähnlichen Verfahren. Die MPU ist bei Abstinenzzeiten und Begutachtungskriterien formal strenger geregelt; in Österreich entscheidet stärker der Amtsarzt im Einzelfall. Eine belastbare Aussage, wo die Quote höher liegt, ist ohne österreichische Daten nicht möglich.
Das hängt vom Anlass ab. Bei Alkohol- und Drogenfällen entscheidet häufiger das Gespräch, weil es um Aufarbeitung und Veränderung geht. Am Leistungsteil scheitern vor allem Unvorbereitete, die die Testformate nicht kennen – dieser Teil ist am besten trainierbar. Getrennte Zahlen für beide Teile veröffentlicht keine Stelle.
Eine weitere Untersuchung innerhalb von zwölf Monaten nach der ersten ist nur auf ausdrückliche Anordnung der Behörde möglich (§ 18 Abs. 5 FSG-GV). Eine Obergrenze für Wiederholungen gibt es nicht, aber jede kostet Geld und vor allem Zeit ohne Führerschein.
Nein. „Derzeit" heißt, dass die Untersuchungsstelle Mängel sieht, die sie für veränderbar hält – etwa fehlende Nachweise oder eine noch dünne Aufarbeitung. Mit gezielter Arbeit ist ein neuer Antritt aussichtsreich. Was genau verlangt wird, legt der Amtsarzt fest.
Nein, und wer das verspricht, kennt die VPU nicht. Vorbereitung nimmt die Unsicherheit am Gerät und ordnet das Gespräch. Ob die Eignung bejaht wird, hängt am Ende von Ihrer tatsächlichen Veränderung ab.